Die Drohnen-Gesetze für die Europäische Union und deren Umsetzung in Deutschland.

Die neue EU-Drohnenregelungen ist ab dem 01.01.2021 in Kraft getreten und somit werden die Drohnenflüge nach den europäischen Regeln ausgeübt. Die Übergangsfrist läuft bis Ende 2021.

Easa Europe
Hinweis!

Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert und den aktuellen Umständen sowie neuen Informationen angepasst. 

Was sind die wichtigsten Änderungen zum aktuell in Deutschland geltendem Recht?

  • die maximalen Flughöhe wird von 100 m auf 120 m über dem Grund angehoben
  • Einführung von zwei neuen „EU-Kenntnisnachweisen“ sowie weiteren Erlaubnissen (bspw. einem LUC Zertifikat)
  • Einteilung der Drohnen in drei verschiedene Kategorien – Open, Specific und Certified
  • Einteilung der Drohnen in neue Klassen nach Gewicht & Funktionsumfang
  • Je nach Klasse müssen Drohnen registriert werden und für andere Luftfahrzeuge über eine elektronische ID (Electronic ID) sichtbar sein

Die neue Klassifizierung der Drohnen und deren Einsatzgebiete führt zur Unterscheidung von „Kenntnisnachweisen“ für Drohnennutzung. Sowohl der EU-Kompetenznachweis A1/A3 als auch das EU-Fernpiloten-Zeugnis A2 sind in allen Mitgliedstaaten der EU sowie in Norwegen, Island und der Schweiz gültig. Eine Unterscheidung in private oder gewerbliche Nutzung ist dabei nicht vorgesehen.

Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 – UAS-Betrieb wird in drei Kategorien unterteilt:

OPEN Category – geringes Betriebsrisiko

  • keine weitere Genehmigung notwendig
  • je nach Risiko gibt es Mindestauflagen, wie etwa das Mitführen eines EU-Zertifikates für Drohnensteuerer A1/A3 oder Fernpilotenlizenz A2

SPECIFIC Category – erhöhtes Betriebsrisiko

  • ein Betreiber des UAV muss eine Risikobewertung durchführen (SORA)
  • Genehmigung für den Betrieb ist notwendig (Betriebsgenehmigung oder Betreiberzeugnis oder LUC)

CERTIFIED Category – komplexes Betriebsrisiko

  • Zulassung und Betrieb des Flugsystems ist ähnlich aufwändig wie in der bemannten Luftfahrt (Luftfahrtbetrieb)
  • Drohnensteuerer, Betreiber und UAS müssen Luftfahrtzertifizierung durchlaufen

Einsatzbereiche innerhalb der Kategorien:

Offene Kategorie / OPEN Categorie

A1: Flug nahe unbeteiligter Personen (nicht über Menschenmengen)

  • Drohnen unter 250 Gramm (C0): Bedienungsanleitung verstehen
  • Drohnen unter 900 Gramm (C1): zusätzlich Onlinetraining und Onlinetest
  • Mit Drohnen der Unterkategorie A1 darf an unbeteiligte Personen herangeflogen werden, wobei vermieden werden sollte, die Personen dabei zu überfliegen

A2: Flug nahe unbeteiligter Personen

  • Drohnen unter 4 kg (C2)
  • Bedienungsanleitung verstehen, Onlinetraining, Onlinetest, Präsenzprüfung
  • elektronische Registrierung der Drohne und des UAV-Betreibers
  • Identifizierungsmöglichkeiten der Drohne
  • in dieser Unterkategorie betriebene Drohnen dürfen horizontal bis zu 30 m an unbeteiligte Personen herangeflogen werden. Sofern sich die Drohne im „Langsamflugmodus“ befindet, darf bis auf 5 m an unbeteiligte Personen herangeflogen werden
  • Gebiete, wie Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- & Wohngebiete können überflogen werden (mit Zustimmung der Betreiber / Eigentümer)

A3: Flug in sicherer Entfernung zu unbeteiligten Personen / bestimmten Gebieten

  • Drohnen unter 25 kg (C3/C4)
  • Bedienungsanleitung verstehen, Onlinetraining, Onlinetest

Hinweis: EU-Kompetenznachweis A1 und A3 werden automatisch zusammengefasst und bei Bestehen des Onlinetests als ein gemeinsames Dokument herausgegeben.

Der Onlinetest erfolgt über Luftbundesamt (LBA).

Gültigkeitsdauer: 5 Jahre

Spezielle Kategorie / SPECIAL Category

Für die Nutzung in der speziellen Kategorie sind entweder eine Betriebsgenehmigung mit SORA (Specific Operation Risk Assessment) Risikobewertung notwendig oder das UAS wird gemäß eines „Standard Szenario“ betrieben, für die dann auch Anforderungen erfüllt werden müssen.

Aktuell existieren zwei festgelegte Standardszenarien für den EU-weiten Drohnenflug:

  1. STS-01: Visuelle Sichtverbindung (VLOS) in einer maximalen Flughöhe von 120 m, bei einer Bodengeschwindigkeit von weniger als 5 m / s bei nicht gefesselten UAV´s über kontrollierten Bodenbereichen, die besiedelt sein können (z. B. städtische Randbezirke) mit maximalen Startmassen (MTOMs) von bis zu 25 kg.
  2. STS-02: Betrieb außerhalb der Sichtlinie (BVLOS) mit der UAV´s in maximal 2 km Entfernung vom Fernpiloten, wenn visuelle Beobachter (VOs) in den kontrollierten Bodenbereichen eingesetzt werden (maximale Flughöhe 120 m). Maximale Startmasse ist 25 kg.

Eine weitere Möglichkeit zum Betrieb von Drohnen in der speziellen Kategorie ist der Erwerb eines „LUC“ (Light UAS Operater Certificate).

Auch hier muss der Steuerer oder das Unternehmen, welches Drohnen einsetzen will, einen Prozess durchlaufen (QM, SORA, Praktische Ausbildung, Ablauf von Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen etc.). Mit einem LUC können UAS-Flüge dann ohne weitere Genehmigungsverfahren durchgeführt werden.

Zertifizierte Kategorie / CERTIFIED Category

Wie bereits oben beschrieben, der Zulassung und Betrieb des Flugsystems ist ähnlich aufwändig wie in der bemannten Luftfahrt (Luftfahrtbetrieb). Als Beispiel wäre hier der Einsatze der Drohnen als Flugtaxi.

Aus diesem Grund wird es auf diese Kategorie nicht eingegangen.

Technische Drohnenklassen von C0 bis C4

Drohnenklassen C0 bis C4
  • max. Geschwindigkeit begrenzt auf 19 Meter / Sek. (68,4 km/h)
  • einstellbare Höhenbegrenzung
  • keine scharfkantigen Bauteile
Übersicht der Drohnklassen udnd Drohnenkategorien

Registrierungspflicht

Die Registrierung von Drohnen-Betreibern (Nutzer von Drohnen ab 250g aufwärts) kann ab sofort beim LBA durchgeführt werden. Eine Registrierungspflicht besteht auch für UAS von weniger als 250 g, wenn das UAS mit einem Sensor zur Erfassung personengebundener Daten wie Kameras, Mikrofone oder ähnliches ausgestattet ist.

Alle, die sich nach dem 01.01.2021 registrieren, müssen ihre Drohne weiterhin mit der üblichen Plakette versehen (Name, Anschrift).


Online-Training

EU-Kompetenznachweis A1/A3

Um ein UAS aus der Kategorie A1 und A3 ab 250 Gramm legal führen zu können, muss ein/e Pilot/in einen Nachweis über seine Kompetenzen erwerben. Dieser Kompetenznachweis ist in der EU sowie einigen europäischen Ländern wie der Schweiz oder Norwegen gültig.

Alle Lerninhalte, das Training und die Prüfung sind auf einem LBA Portal zu finden. Zu den Lerninhalten gehören folgende Module:

  • Luftrecht und Sicherheit
  • Menschliches Leistungsvermögen
  • Betriebliche Verfahren
  • Allgemeine UAS-Kunde

Anschließend muss ein Training mit 20 Multiple Choice Aufgaben erfolgreich absolviert werden, erst dann erfolgt die Zulassung zu der Prüfung.

Online-Prüfung

EU-Kompetenznachweis A1/A3

Die Prüfung enthält 40 Multiple Choice Aufgaben, für deren Bearbeitung werden 45 Minuten Zeit gegeben. Wenn 75% der Aufgaben richtig beantwortet wurden, erlangt der Prüfling einen Kenntnisnachweis für Fernpiloten für den Einsatzbereich A1/A3.

Kompetenznachweis A1 / A3

Anforderungen an die Kompetenz von Fernpiloten in der OPEN Category – Unterkategorien A1 / A3 (UAS.OPEN.020 (4) (b))

  1. Vertraut machen mit dem Betriebshandbuch der Drohne
  2. Onlinetraining und Onlineprüfung mit 40 Multiple Choice – Fragen zu Fachgebieten:
  • Flugsicherheit
  • Luftraumbeschränkungen
  • Luftrecht
  • Menschliches Leistungsvermögen und dessen Grenzen
  • Betriebsverfahren
  • Allgemeine Kenntnisse zu UAS
  • Schutz der Privatsphäre und der Daten
  • Versicherung
  • Luftsicherheit

Fernpilotenzeugnis A2 – läuft über „benannte Prüfstellen“ (PStF)

Anforderungen an die Kompetenz von Fernpiloten in der Open Category – Unterkategorie A2

  • Überprüfung der Voraussetzung zur Ablegung der Prüfung durch „Benannte Stelle“. Voraussetzungen sind bspw. der Kompetenznachweis A1/A3, Mindestalter von 18 Jahre etc.
  • Durchführung der (erweiterten) Prüfung bei „Benannter Stelle“ zu zusätzlichen Fachthemen wie
    – Meteorologie
    – UAV Flugleistung
    – Technische und betriebliche Risikominimierung in der Luft
  • Ausstellung des Fernpilotenzeugnisses durch das LBA

Übergangsregelung

Drohnen, die mit dem neuen EU-Recht nicht konform sind dürfen unter folgenden Voraussetzungen genutzt werden:

  • bei max. Abfluggewicht von 250 g und der Einhaltung der Bedingungen der Unterkategorie A1 der offenen Kategorie
  • bei max. Abfluggewicht von 25 kg und der Einhaltung der Bedingungen der Unterkategorie A3 der offenen Kategorie

Nicht EU-zertifizierte Bestandsdrohnen außerhalb der A3-Zone können unter folgenden Auflagen genutzt werden:

  • Steuerer ist in Besitz eines Kenntnisnachweises nach § 21d LuftVO (nationaler Drohnenführerschein)
  • Steuerer ist zusätzlich im Besitz des EU-Kompentenznachweises A1/A3
  • Abgabe einer notwendigen Selbsterklärung über ausreichende, praktische Flugeerfahrung
  • Abfluggewicht der Drohne nicht höher als 2 kg
  • Distanz zu unbeteiligten Personen von mind. 50 Meter ist einzuhalten
  • Nutzungsdauer dieser Übergangsregelung gilt bis 31.12.2022

Weitere Fragen, Hinweise und Beispiele

Was passiert mit Bestandsdrohnen?

Eine nachträgliche Klassifizierung von Drohnen nach Markteinführung ist derzeit nicht möglich. Alle Drohnen, die von den Herstellern auf den EU-Markt gebracht wurden und nicht in C0 bis C4 klassifiziert sind, müssen ab dem 01.01.2021 analog den Vorgaben der Klassen C0 (< 250g) bzw. C4 (< 25kg) betrieben werden. Um diese Drohnen langfristig in der offenen Kategorie einsetzen zu können, sind also die für C0 bzw. C 4 geltenden Beschränkungen bzw. Abständen zu unbeteiligten Personen, Wohngebieten etc. einzuhalten. Dies gilt auch für beliebte Drohnen, wie z.B. die Mavic 2 Pro. Ob eine Nachzertifizierung von Bestandsdrohnen möglich sein wird, ist fraglich. Falls nicht, sind Bestandsdrohnen (so gut wie alle, europaweit) nur noch in Form einer Übergangsregelung in der Klasse C4 einsetzbar! [/av_toggle] [av_toggle title='Weiternutzung von Bestandsdrohnen außerhalb der A3-Zone?' tags='' av_uid='av-2lm8x6y'] Nicht EU-zertifizierte Bestandsdrohnen können unter folgenden Auflagen genutzt werden:

  • Steuerer ist in Besitz eines Kenntnisnachweises nach § 21d LuftVO (nationaler Drohnenführerschein)
  • Steuerer ist zusätzlich im Besitz des EU-Kompentenznachweises A1/A3 (online ab 2021)
  • Abgabe einer notwendigen Selbsterklärung über ausreichende, praktische Flugeerfahrung
  • Abfluggewicht der Drohne nicht höher als 2 kg
  • Distanz zu unbeteiligten Personen von mind. 50 Meter ist einzuhalten
  • Nutzungsdauer dieser Übergangsregelung gilt bis 31.12.2022

Bestandsdrohnen am Beispiel eines Dachdeckers

Ein Dachdecker / Schornsteinfeger oder Immobilienmakler möchte innerstädtisch eine DJI Mavic 2 oder Yuneec H 520 einsetzen. Die eine wiegt gemäß Datenblatt über 900 Gramm, die andere knapp unter 2 kg. Damit liegt der Betrieb in der Kategorie A2. Die Kategorie A3 mit geringeren Auflagen entfällt, da der Einsatz innerstädtisch erfolgen soll.

Die Auflagen für diese, innerstädtischen Anwendungsfälle sind folgende:
• Einhaltung eines Sicherheitsabstandes (30m / 5m) zu unbeteiligten Personen
• Drohne muss über verschiedene Sicherheitseinrichtungen verfügen (z.B. Coming-Home bei Funkausfall)
• Beantragung einer Registrierungsnummer für den Betreiber
• Durchführung eines Onlinetrainings- und Tests für EU-kompetenznachweis A1/A3
• Präsenzprüfung für die Klasse A2, EU-Fernpilotenlizenz
• Eigenerklärung über ein durchgeführtes praktisches Flugtraining

Beispiel von Spezialszenario Rehkitzrettung / Wildtierrettung

Sofern sich die Schläge / Grünflächen abseits (150 Meter) von Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- & Wohngebieten befinden, würden diese Flüge mit Bestandsdrohnen (ohne EU-Zertifizierung) in die Kategorie C4 passen, sodass zunächst mit diesen C4-Einschränkungen weitergeflogen werden kann. Jetzt kommt es darauf an, wie die lokalen / nationalen No Fly Zonen festgelegt werden und welche Abstände eingehalten werden müssen.

Ist es nicht sinnvoll, anstatt des „alten“ Kenntnisnachweises nun direkt den EU Kenntnisnachweis zu absolvieren?

Zur Beantragung von Aufstiegserlaubnisse (AE) bei den jeweiligen Landesluftfahrtbehörden zur Durchführung von Flügen mit UAV über 2 kg ist bis zum 01.01.2021 noch der „alte“ Kenntnisnachweis gemäß §21d LuftVO notwendig.

Es ist sinnvoll, für gewerbliche Anwendungen eine entsprechende AE (mit Ablaufrist 31.12.2021) zu beantragen, da noch nicht klar ist, welche neuen Flugverbotszonen (national) i.V.m. dem EU-Recht dann gelten werden. Somit kann zumindest für 2021 noch mit der AE und der damit verbundenen Befreiung von den Betriebsverboten geflogen werden. Wird bis Ende 2021 keine AE benötigt, können ab Januar 2021 die neuen EU-Zertifikate (EU-Kompetenznachweis / EU-Fernpilotenzeugnis) erworben werden.

Trotzdem wird es empfohlen vorher die Landesluftfahrtbehören zu kontaktieren und Details zu klären.

Wer ab 2021 in der A2 Kategorie fliegen möchte, benötigt den A2 Führerschein (EU-Fernpilotenlizenz) und eine entsprechend EU-zertifizierte Drohne. Als Voraussetzung für den A2 Führerschein ist der Besitz des A1/A3 EU-Kompetenznachweises notwendig. Somit sind hier beide Prüfungsmodule notwendig, sofern ein bestehender alter Kenntnisnachweis nicht in A1/A3 umgeschrieben ist. Ab wann und welche Kosten eine Umschreibung verursacht, steht leider noch nicht fest.

Neue EU-Flugverbotszonen / nationale Flugverbotszonen

Die EU-Länder können Flugverbotszonen und Zonen mit angepassten Regelungen auch weiterhin selbst definieren. Dadurch kann flexibel auf besondere Anforderungen und Bereiche beispielsweise in einer Innenstadt oder Flughafengelände reagiert werden. Welche Behörde (Bund oder Land) diese Zonen in Deutschland festlegt, ist derzeit noch nicht festgelegt.