IBC Highlights

Europas wichtigste Messe der Bewegtbildbranche – die IBC – hat nun auch für dieses Jahr ihre Türen geschlossen. Hinter uns liegen sehr intensive und ereignisreiche Tage voller Produktneuheiten, Highlights und neu gesetzter Trends.

Der wohl wichtigste Trend ist schnell erkannt: Full Frame. Am mühelosesten kann dies an der große Resonanz für die neu angekündigten Full Frame Kameras von Canon und Sony erkannt werden. Aber auch die Masse an unterschiedlichsten Objektivherstellern, die Vollformat-Objektive in allen Variationen auf der Messe präsentiert haben, lässt darauf schließen, dass Full-Frame-Produktionen für jedermann ermöglicht werden sollen.

Insgesamt war die Messe unserer Meinung nach wesentlich attraktiver und spannender als die letzten Jahre. Neben den neuen Trends gab es eben auch ein paar nicht ganz so offensichtliche Highlights, die kaum einer im Vorfeld erwartet hatte.

Kameras – Vollformat für alle!

Während der diesjährigen IBC sind die neu angekündigten Kameras die beliebtesten Anlaufstellen eines jeden Messebesuchers gewesen.

Besonders spannend wurde es durch die Ankündigungen der Hersteller Sony und Canon, die jeweils einen Vollformat-Camcorder im Preisbereich von unter 15.000€ vorstellten.  Während Sony mit der PXW-FX9 einen lang erwarteten Nachfolger für seinen Run-& Gun Workhorse FS7 zeigt, zielt Canon mit seiner C500 II eher auf den Image- & Werbefilmer ab.

Der Trend ist durch diese beiden Kameras auf jeden Fall gesetzt: Vollformat soll für jeden Filmer und jede Anwendung verfügbar und praktikabel sein. In Zukunft wird es für viele Anwendungen wohl kaum einen Weg um Vollformat-Sensoren drumherum geben, wenn der Endkunde dies nach 4K und HDR als neuen Standard sieht und entsprechend auch fordert.

Jedoch waren Canon und Sony nicht die einzigen, die etwas neues vorgestellt haben: RED hat sich dem Feedback einiger Rentals und Anwender zu Herzen gelegt und die MONSTRO RANGER Kamera nun auch als GEMINI und HELIUM8K Variante vorgestellt, die jedoch nun nicht nur von Rentals erworben werden können.

Entsprechend dem Vollformat-Trend war dieses Jahr auch die auf der NAB bereits vorgestellte ARRI Alexa Mini LF mit dem neuen OLED Viewfinder zu sehen.

Aber auch bei den DSLR/DSLM-Kameras hat sich etwas getan: Die bereits im Vorfeld vorgestellte Panasonic Lumix S1H wurde nun auch auf großer Bühne gezeigt. Gleichzeitig hat Atomos eine RAW-Unterstützung seiner Rekorder für eben diese Kamera angekündigt.

Neben der S1H konnte bei Sigma auch erstmals die spannende fp Kamera als Prototyp in verschiedenen Set-ups getestet werden, die die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete zeigten.

Objektive: Allerlei Exoten und Neues von Altbekannten

Objektive erfahren seit einer geraumen Zeit eine Art Renaissance. Die Objektivhersteller beginnen langsam zu verstehen, dass ein technisch perfektes Objektiv nicht unbedingt auch einen schönen Look besitzen muss. Entsprechend zeigte beispielsweise Sigma auf der diesjährigen IBC erstmals seine neue Classic Primes Serie. Diese besitzen einen Vintage-Look, der vor allem durch eine fehlende bzw. verringerte Beschichtung der Gläser erreicht wird. Für viele Anwender wird der Look und das entstehende Falschlicht etwas zu extrem sein, aber für einige spezielle Anwendungen wird diese besondere Serie genau das Richtige sein.

Canon zeigte auf seinem Stand seine bereits im Vorfeld angekündigten Sumire Prime Serie. Mit den sphärischen Linsen versuchen sie den beliebten anamorphotischen Look nachzuahmen und bieten im Ergebnis einen äußerst angenehmen, warmen Look.

Des Weiteren konnte man kaum an einem Stand vorbei gehen, der keine anamorphotischen Objektive an einer aufgebauten Kamera angebracht hatte. Besonders begehrenswert waren die Atlas Orion und Cooke Objektive. Aber auch exotische Objektivhersteller wie Spirit Lab waren auf der Messe vertreten , die ein sehr interessantes 40-100mm Zoom vorstellten, das ab Oktober sofort verfügbar sein soll.

Der Trend zu anamorphotischen Aufzeichnung scheint also nicht abzunehmen und sich festzusetzen.

Auch das Thema Vollformat beschäftigt die Objektivhersteller: Zeiss zeigten ihre kompakten CP.3 und ausgezeichneten Supreme Primes. Beide Serien sind mit Xtended Data ausgestattet, womit in der Postproduktion die Vignettierung und Verzeichnung jedes Objektivs entfernt werden kann.

Bei Fujinon waren die Primista Zoom Objektive sehr beliebt, die durch eine fantastische Charakteristik und äußerst angenehme Zoom-Range überzeugen können. Des Weiteren war ARRI mit seinen Signature Full Frame Primes vertreten.

Licht: RGB in allen Formen und Größen

RGB Panels waren auch auf der IBC 2019 weiterhin auf dem Vormarsch. Doch nicht nur die großen Premium-Hersteller bieten mittlerweile RGB Flächenleuchten. Beispielsweise bietet auch Rotolight nun mit der Titan X2 eine mächtige RGB-Leuchte mit einer ordentlichen Lichtleistung und möchte damit den Herstellern Kino Flo und ARRI Konkurrenz machen.

Im niedrigeren Preisbereich stellt auch Aputure seine RGB-Flächenleuchte Nova 300C vor, die schon auf vorherigen Messen als Prototyp ausgetestet werden konnte und RGB-Licht auch für die breite Masse verfügbar machen soll.

Aber nicht nur Flächenleuchten waren im Fokus der Messebesucher. LED-Röhren sind nun ebenfalls auf dem Vormarsch. Röhren sind wesentlich flexibler in der Anwendung und können auch innerhalb einer Kulisse als Stilmittel kreativ genutzt werden. Beispielsweise bietet jetzt Kino Flo seine klassischen 4ft-Banks als RGB-LED-Röhrenversion an. Astera hingegen stellte eine kürzere Version seiner bereits bewährten Röhren vor, die vor allem in der Veranstaltungsszene mittlerweile gesetzt sind. Wer nicht auf Premium Hersteller gehen will, konnte beispielsweise eine günstige Alternative bei Ledgo finden.

Die wohl innovativste Leuchte – abseits aller RGB-Röhren – hat jedoch ARRI mit der Orbiter vorgestellt. Die Orbiter ist eine ultrahelle fokussierbare Leuchte mit einem komplett neuen Design, das unterschiedlichste Anwendungen und Lichtgestaltungen ermöglicht. Entsprechend war der Andrang auf dem Stand groß und auch wir können die erste Lieferung kaum erwarten.

Monitore & Funkstrecken: 4K als Referenz-Monitor

Die technologische Entwicklung von Displays verläuft ähnlich rasant wie die Entwicklung neuer LEDs. Entsprechend konnten wir auf der Messe wieder viele Ankündigungen von bewährten Herstellern sehen.

Den Anfang machte SmallHD mit einer Nachricht, dass der bereits verfügbare Cine7 Monitor nun auch die Steuerung von RED Kameras übernehmen kann. Dies konnte auch am Stand von SmallHD ausprobiert werden und der erste Eindruck überzeugte vollends. Der Cine7 ist definitiv eine Alternative zu den regulären Monitoren von RED. Neben dem Cine7 stellte SmallHD die neue Cine / Vision Serie vor und beginnt erstmals 4K Referenz-Monitore in gewohnter SmallHD Qualität zu entwickeln. Aus SmallHD entsteht nun Small4K.

Auch Atomos zeigt wieder mit der bereits auf vorherigen Messen angekündigten Neon Serie 4K Referenzmonitore, die gleichzeitig die bewährte Atomos Rekorderfunktion und helle, kontrastreiche Referenz-Displays für einen HDR-Workflow besitzen.

Bei Blackmagic konnten die neuen Video Assist 12G Monitore ausprobiert werden, die, wie der Name schon besagt, nun auch 12G-SDI-Eingänge & Aufnahmefunktion für 4K60p Workflows besitzen. Ebenfalls besitzen die Monitore Helligkeiten von bis zu 2.500 nits, wodurch sie nun endlich HDR-tauglich sind. Die neuen Video Assist 12G Monitore sollen erstmals Blackmagic RAW unterstützen.

Um auch bei 4K-Produktionen auf Kabel verzichten zu können, hat Teradek nun endlich als erster Hersteller Funkstrecken angekündigt, die 4K-Signale übertragen können. Mit den Teradek Bolt 4K MAX bzw. Orbit können bis zu 4K60p Signale bis zu 2 km Reichweite kabellos übertragen werden. Diese Funkstrecken dürften für alle Anwender interessant sein, die 4K-Live-Produktionen fahren wollen. Dazukommend hat Teradek mit der Prism Serie die passenden HEVC En- & Decoder herausgebracht.

DwarfConnection, die für ihre robusten und fehlerfreien Übertragungen ihrer Funkstrecken bekannt sind, haben ihr Funkstrecken-Portfolio um den DC-X.Link S1/L1 erweitert. Mit diesen zusätzlichen Empfängern lassen sich bereits bestehende Funkstrecken unkompliziert um einen weiteren Empfänger erweitern.

Swit hat auf der IBC die FLOW Serie vorgestellt, die wesentlich kompakter als die bisherigen Funkstrecken daherkommt und eine sicherere Übertragung gewährleisten soll.

Audio

Audio ist bei den meisten (nicht audiophilen) Kameramännern eher ein lästiges Beiwerk. Jedoch waren gerade auf der diesjährigen Messe einige nicht zu vernachlässigende Ankündigungen um das Thema Audio vorhanden.

Die wohl größte Aufmerksamkeit hat Sound Devices mit seinen Nachfolgern der MixPre Serie erhalten. Das Besondere bei der MixPre II Serie ist die Möglichkeit mit der 32-bit Float Abtastrate aufzuzeichnen. Dies könnte man am besten mit der RAW-Aufzeichnung von Videos vergleichen, wo der Nutzer selbst bei komplett falsch gepegelten Signalen noch einiges rausholen und retten kann. Ebenfalls besitzen nun alle 3 MixPre II Rekorder einen Timecode Generator.

Auch Zoom hat einen neuen mobilen Rekorder angekündigt, der ebenfalls 32bit-Float aufzeichnen kann: Den Zoom F6.

Deity hat auf seinem Stand eine kürzere Version seines populären S-Mic2 vorgestellt, das optimiert für Indoor-Anwendungen wurde. Des Weiteren hat Deity seine Funkstrecken-Lösungen um den HD-TX Sender erweitert. Der HD-TX kann an Handkeulen angebracht werden und an den Connect Empfängern das Audio Signal weitergeben. Der Clue dabei ist, dass der Sender auch gleichzeitig auf MicroSD Karten aufzeichnen kann. Dadurch hat der Nutzer immer ein Backup, auch wenn die Funkverbindung mal abbrechen sollte.

Auch bei Sony hat sich beim Thema Audio Übertragung weiterentwickelt und die neue Sender und Empfänger der UWP Serie rausgebracht, die direktes digitales Rekording via Multi-Blitzschuh an den Sony Kameras ermöglichen.

Was gab es sonst noch?

Neben der Vorstellung der Video Assist 12G Monitore hat Blackmagic auch den kleinen Produktionsmischer ATEM Mini angekündigt. Der ATEM Mini ist ein kleiner Mischer mit 4 HDMI-Eingängen, der sich ideal für YouTuber, WebCaster und kleineren Live-Produktionen eignet. Der Mischer kann nicht nur die unterschiedlich anliegenden Signale mischen, er besitzt ebenfalls Blackmagics neuen Keyer und einen DVE, wodurch sich die meisten einfachen Greenscreen-Anwendungen oder Grafikeinblendungen abdecken lassen. Ebenfalls besitzt der Mischer einen USB-C-Ausgang, wodurch der Mischer als Web Presenter missbraucht werden kann. Und das alles für unter 300 €. Blackmagic möchte damit definitiv die jüngere Generation an YouTuber adressieren und dem bisher gesetzten Lösungsanbieter Elgato den Kampf ansagen.

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